Erwartung & Realität

Meine nächste Station in China hiess Pingyao in der Shanxi Provinz, etwa auf halbem Weg nach Xi’An. Dort wollte ich eine Nacht lang einen Zwischenhalt einlegen, da ich im Internet gelesen hatte, es sei schön (Weltkulturerbe).
Ein Nachtzug brachte mich von Beijing dort hin. Der Zug fuhr erst um Mitternacht los, weshalb ich recht lange am völlig überlaufenen Bahnhof warten musste. Immerhin konnte ich mich mit meinem „Nachbarn“, welcher auch auf dem Boden sitzen musste, auf Englisch unterhalten. Als der Zug los fuhr, bin ich bald eingeschlafen: Ich habe nur noch etwas in meinem Buch gelesen (Mao’s Biografie), da ich abgesehen von Zug, Bus und Flugzeug selten Zeit zum Lesen habe.

Am nächsten Morgen kam ich in Pingyao an und lief zur Altstadt, welche sehr gut erhalten ist und als eine der schönsten in ganz China gilt. Ich lud meinen Rucksack im Hotel ab – ich habe mir wieder mal ein Einzelzimmer gegönnt – und wanderte dann durch die Strassen. In der Tat ist es ein sehr schönes Städchen, jedoch wurden meine Erwartungen nicht ganz erfüllt: So fühlt man sich in den verwinkelten Gassen zwischen den traditionellen Steinhäusern einerseits wie im alten China, der Schein wird aber andererseits von tausenden Souvenirläden getrübt, welche die alten Strassen säumen. So wird es vor 700 Jahren wohl kaum ausgesehen haben. Schade, dass dieses Unesco-Kulturerbe so verschandelt wurde.
image-2015-10-27(1)An der „Touristenmeile“image-2015-10-27(3)Wenn die Geschäfte schliessen siehts besser aus…image-2015-10-27(2)Ein Park in der AltstadtIMG_4900Nicht überall ist die Stadt gut erhalten!

Es ist trotzdem ein sehr schöner Ort. Als Beispiel kann ich auch mein Hotel nennen, welches in einem traditionellen Haus mit einem schönen Innenhof liegt. Ausserdem konnte ich auch 刀削麵 probieren: Diese Nudeln werden von einem „Block“ Teig mit einem Messer abgeschnitten (刀 = Messer, 削 = schneiden, 麵 = Nudel).
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刀削麵 mit „Pingyao-Beef“

Nach einem Tag in Pingyao hatte ich das Gefühl, das wichtigste Gesehen zu haben, und machte mich nach einer erholsamen Nacht im Hotel auf nach Xi’An.
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Der Innenhof meines Hotels

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