Man soll doch nicht bei Fremden einsteigen..!

Ein paar Tage hatte ich nun eingeplant, um Xiao Likeng und die umliegenden Dörfer anzuschauen. Am ersten Abend ass ich die lokale Spezialität: Ein roter Karpfen, der sich in den Kanälen des Dörfchens tummelt. Kurz nachdem ich dieses Gericht bestellt hatte, fischte der Koch einen Karpfen aus einer Reuse und knallte ihn ohne lange zu fackeln auf den Boden, so dass der Fisch reglos liegen blieb. Etwas brutal, aber frischer gehts wohl kaum, denn nach kurzer Zeit war der Fisch nämlich schön zubereitet auf meinem Tisch.

Roter Karpfen aus dem Kanal

Am ersten Tag in der Wuyuan-Region hatte ich im Sinne nach Jiang Wan, Wang Kou und Xiao Qi zu fahren. Dies wollte ich mit einem Bus tun. Als ich bei der Bushaltestelle ankam, warteten dort schon ein paar Leute auf den Bus. Um sie herum schwärmten Taxifahrer, welche sie zu einer Fahrt mit ihnen zu überreden versuchten. Ich wagte mich ins Getummel und fragte eine dort stehende Frau, ob das der richtige Ort in Richtung Xiao Qi sei. Sie bejahte, sagte aber, dass der Bus gerade abgefahren sei. Sie wolle auch dort hin, meinte sie. Also haben wir mit einem Taxifahrer verhandelt, und uns ein Taxi für den ganzen Morgen gemietet. Kosten: 5 Franken. Der Vorteil davon war die Klimaanlage und der Platz. Es ist im Juli fast unerträglich heiss in China, weshalb ein vollgepackter Bus ohne Klimaanlage nicht so prickelnd gewesen wäre.

Die Frau hiess Li Qing und ist eine 40 jährige Lehrerin aus Wuhan. Sie sprach leider kein Wort Englisch, und ihr Akzent war so stark, dass ich auch kaum etwas von ihrem Mandarin verstand. Auf jeden Fall schlenderten wir nach der kurzen Autofahrt durch das malerische Dörfchen Xiao Qi.

Xiao Qi besteht aus zwei Dorfkernen – Hier bin ich gerade dazwischen…

Danach gings wieder mit dem Auto in das nächste Dörfchen: Jiang Wan. Der Taxifahrer kannte sich gar nicht so schlecht aus, und fungierte somit sogar noch als touristenführer. Ich verstand ihn zwar nicht, aber zumindest führte er mich direkt zu den schönen Plätzen im Dorf.

In Jiang Wang

Am Schluss, das heisst gegen Mittag, fuhren wir noch gegen Wang Kou. Leider war es mittlerweile schon so heiss, dass ich mich entschied, nur ein Foto von weitem zu schiessen und mich dann in mein klimatisiertes Hotelzimmer zurückzuziehen.

Das Dörfchen Wang Kou

Am nächsten Tag wollte ich mich eigentlich wieder mit Li Qing verabreden, jedoch hat das irgendwie nicht geklappt, weshalb ich den Tag nutzte, um ein bisschen zu lesen und Xiao Likeng ein bisschen genauer anzuschauen.

Am darauffolgenden Tag klappte es aber. Li Qing sagte, ein Päärchen aus Wuhan werde mit dem Auto anreisen. Ich witterte meine Chance: Mein Plan war, die nördlichen Dörfer anschauen zu gehen. Dort hin muss man aber ein eigenes Auto haben. Gesagt – Getan: Um 8.30 sass ich mit drei wildfremden Chinesen, welche alle kein Wort Englisch sprechen, in einem klimatisierten Fiat und wir fuhren in Richtung Si Xi Yan Cun. Ein hübsches altes Dorf, durch welches wir ein Eis essend schlenderten.

In Si Xi Yan Cun

Danach gingen wir zur Qinghua – Brücke. Nicht wahnsinnig spektakulär, aber wenigstens konnte ich kurz meinen Kopf in den kühlen Fluss tauchen.

Die Regenbogenbrücke

Am Schluss kam aber noch das Highlight: Da Zhang Shan. Ein Berg, welchen man durch ein enges Tal besteigen kann. Auf dem Weg nach oben nahmen wir wegen der Hitze eine Abkürzung mit einer Gondelbahn. Trotzdem war es ein ziemlicher Marsch, obwohl wie alle Wanderungen bisher in China auf einem schön ebenen Weg. Die Szenerie war aber sehr schön. Ausserdem – so wird behauptet – sei dort mit 240m auch der höchste Wasserfall in China. Leider kam aber kein Wasser runter… Trotzdem sahen wir etliche Wasserfälle, tiefe Gumpen und sogar eine riesige Schlange.

Aussicht in das Tal

Wasserfall bei Da Zhang Shan

… mehr Wasser

Oben angekommen!

Erst gegen Abend kamen wir in das malerische Xiao Likeng zurück!

Zurück in Likeng

Back in China!

Da es mir in China auf meiner grossen Reise so gut gefallen hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder dort hin zurück kehren würde.

Am 6. Juli 2017 packte ich also meinen Rucksack und flog über Dubai nach Hong Kong. Auf dem zweiten Flug gönnte ich mir ein Business-Class-Upgrade, was im A380 ein besonderes Erlebnis war. Nur dumm, dass ich wohl jetzt ziemlich lange wieder Holzklasse fliegen muss – So etwas kann man sich ja auch nicht jeden Tag leisten. Auf jeden Fall war es toll, und somit kam ich auch ziemlich entspannt in Hong Kong an. Eine Landung dort hat für mich schon fast sentimentalen Wert, da ich schon so oft in dieser Stadt war und ich sie so gerne mag!

Anyways: Von dort aus wollte ich direkt (also ohne Einreise nach HK) auf das Festland. Dazu buchte ich ein Ticket für eine Fähre. Da mein Gepäck auf sich warten liess, sass ich fast zwei Stunden im Flughafen fest. Zum Glück hatte mein iPod noch Akku. Danach brachte mich die Fähre nach Shekou… Eigentlich nicht dort hin, wo ich wollte, aber die andere Fähre nach Fuyong wäre noch später abgefahren. Somit reiste ich nach China ein, und musste nun einen Shuttle-Bus zur nächsten Metrostaton nehmen. Nach einem erfolglosen Versuch, Geld abzuheben, musste ich schon meinen 100.- Franken-Schein Notgroschen umtauschen. 670 Yuan bekam ich dafür, was gar nicht so ein schlechter Wechselkurs war.

Nach einer stündigen Fahrt mit der Metro, kam ich nach gut 20 Minuten Fussmarsch in meinem Hotel an. Kurz darauf klopfte auch meine Freundin an der Tür an, welche im Moment in Shenzhen arbeitet. Deshalb war diese Stadt auch mein erster Halt.

Am nächsten Tag regnete es. Trotzdem fuhren wir mit der Metro ins Stadtzentrum, wo wir etwas planlos herumliefen. Dabei fanden wir ein interessantes, riesiges Gebäude mit einem Dach, das einen halben Kilometer lang ist. Interessanterweise war die Stadt – an einem Samstag – fast menschenleer… Etwas seltsam, wenn man bedenkt, dass im Grossraum von Shenzhen mehr als 7 Millionen Menschen leben!

Nachdem wir noch durch ein unterirdisches Shoppingcenter liefen (ihre Idee, nicht meine), liefen wir noch der Promenade am Meer entlang. Es hatte zu diesem Zeitpunkt aufgehört zu regnen.

Am Abend assen wir dann etwas Leckeres – Ich hatte mich schon seit Wochen auf das Essen gefreut, und wurde auch nicht enttäuscht!

Am nächsten Tag musste ich ein paar Besorgungen machen, und genoss die Zeit mit meiner Freundin. Wir assen ausserdem eine äusserst leckere Guangdong-Spezialität: Geröstete Gans und geröstetes Schwein (燒鵝,燒肉). Meine Freundin musste am Abend dann leider schon wieder in ihre Wohnung auf dem Fabrikgelände, wo sie arbeitet, zurück gehen. Es war jedoch sehr schön, uns wieder einmal zu sehen!

Nach sieben Monaten war es so weit…

Nach Monywa fuhr ich mit einem spottbilligen Bus nach Mandalay, wo ich einen kurzen Zwischenstopp einlegte. Am nächsten Tag um 3 Uhr morgens machte ich mich bereit, um an den Bahnhof zu gehen. Unterwegs wurde ich von einem Rudel wilder Hunde verfolgt, welche ich nur mit Hilfe von ein paar Steinen und einem Obdachlosen los geworden bin. Um 4 Uhr fuhr dann der Zug los, welcher mich nach Pyin Oo Lwin brachte.
image-2016-04-03Sonnenaufgang aus dem Zug fotografiertIMG_6892Am Bahnhof von Pyin Oo Lwin

In Pyin Oo Lwin habe ich mir am ersten Tag ein Fahrrad gemietet, mit welchem ich um den See gefahren bin und die kolonialen Gebäude betrachtet habe.
image-2016-04-03-254Koloniale GebäudeIMG_6926Clocktower bei Nacht

Am zweiten Tag habe ich mir einen Motorroller (ohne Rückspiegel) gemietet, mit welchem ich in Richtung Mandalay gekurvt bin. Zwischen den beiden Orten gab es nämlich einen schönen Wasserfall, welchen ich nach einer kleinen Wanderung erreichte.
image-2016-04-03-3Ländliche Gegend in Nordmyanmarimage-2016-04-03-6 image-2016-04-03-5Wasserfall

Mit einem Sammeltaxi ging es dann wieder zurück nach Mandalay. Am Abend habe ich Julian und Aoife wieder getroffen, mit welchen in Laos unterwegs war.
image-2016-04-03-1Festessen zum Abschluss von meiner Reise in Myanmar

Am nächsten Morgen nahm ich ein Taxi, welches mich in 1.5 Stunden an den Flughafen fuhr, welcher etwa 40km von dem Stadtzentrum entfernt lag.
Ein kurzer Flug brachte mich nach Bangkok. Von dort aus Flog ich nach Deutschland, und am Karfreitag kehrte ich nach 207 Tagen Reise wieder zurück in die Schweiz.
image-2016-04-03-4
Home Sweet Home!

Nur ein paar Buddha-Statuen

Reisen wie die Locals macht immer Spass, weshalb ich mir für einen lächerlich kleinen Betrag ein Busticket nach Monywa besorgt habe. Dies gestaltete sich aber relativ schwierig: Ich ging zu mehreren Agenturen, aber keine konnte mir ein Ticket ausstellen, da der Bus von Touristen kaum (=gar nicht) benutzt wird. Schlussendlich, nach etwa einstündiger Suche, fand ich einen Herren, der mir das Ticket verkaufte. Am nächsten Tag nahm ich den Bus, welcher mich in vier Stunden nach Monywa brachte. Keine Klimaanlage 😉

Dort checkte ich in mein Hotel ein. Es war relativ teuer, jedoch das einzige mit einer guten Bewertung. Dafür gab es ein schön grosses Zimmer.
Am nächsten Tag mietete ich mir für den ganzen Tag ein Tuk Tuk mit Fahrer. Mit diesem fuhr ich zu einem sehr bekannten Tempel. Das Spezielle: Es gibt in diesem Tempel über eine halbe Million (500’000!!!) Buddha-Statuen. Eine wunderschöne Anlage!
image-2016-03-15(1) image-2016-03-15(3) Der Tempel von aussenimage-2016-03-15(7) image-2016-03-15(5) image-2016-03-15(9) image-2016-03-15(4)Im Inneren gibt es Buddha-Statuen so weit das Auge reicht!

Danach fuhren wir weiter und gelangten nach einer holprigen und langen Fahrt zu einer anderen Attraktion, welche nicht weniger imposant war: Zwei riesige Buddha-Statuen. Die stehende war über 100 Meter gross! Zudem konnte man in sie hinein gehen, wo es auf über 20 Stockwerken Wandgemälde zu betrachten gab. Fast alle waren recht brutale Abbildungen der Hölle…
IMG_6874Die beiden Buddha-Statuen von der Pagode aus gesehenimage-2016-03-15Der stehende Buddhaimage-2016-03-15(2) …und der liegende: Diese Position bedeutet, dass er im Nirvana angelangt istimage-2016-03-15(6) IMG_6872 image-2016-03-15(8) Höllendarstellungen im Inneren… IMG_6871Buddha ist der Einzige, der uns vor der Hölle bewahren kann 😉

Danach ging es wieder zurück zum Hotel. Am Abend ging ich noch in ein Restaurant. Die Serviertochter hat sich zuerst versteckt, da sie sich warscheinlich für ihr Englisch geschämt hat. Ich habe sie aber dann doch noch zu mir winken können, und habe dann ein deliziöses Mahl zu mir genommen.
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Die zwei Buddhas vom Parkplatz aus gesehen… Riesig!!

Der erste Nachtbus seit Vietnam

Nach Hpa-An wollte ich einen grossen Sprung in Richtung Norden machen, was bedeutete, dass ich das erste Mal seit meinem Unfall in Vietnam wieder in Asien in einen Nachtbus steigen musste. Zuerst ging es am Morgen von Hpa-An nach Bago, wo ich am späten Nachmittag umsteigen musste. Danach ging es mit dem Nachtbus nach Bagan, der Tourismusdestination in Myanmar schlechthin. Die Busfahrt ist ohne Zwischenfälle verlaufen, sie dauerte jedoch fast 20 Stunden.

Um 4.30 morgens kam ich müde in meinem Hotel an, konnte jedoch noch nicht in mein Zimmer, da dieses zu diesem Zeitpunkt noch voll war. Ich entschied mich deshalb, einen Roller zu mieten um den Sonnenaufgang anzuschauen. In Bagan sind Motorroller verboten, weshalb man nur Elektroscooter mieten konnte.  Mit diesem fuhr ich zur Shwesandaw-Pagode, stieg in völliger Dunkelheit die steile Treppe hoch und wartete bis die Sonne aufging.

Zufälligerweise war gerade an diesem Tag eine partielle Sonnenfinsternis, was für eine spektakuläre Szene gesorgt hat. Leider ist dies auf den Bildern kaum zu erkennen, jedoch kann man so eine Atmosphäre sowieso nicht festhalten.
IMG_6780IMG_6785 Sonnenaufgang über BaganIMG_6790Heissluftballons im HintergrundIMG_6789 image-2016-03-12Wahnsinns Aussichten in Bagan

Danach düste ich mit meinem Scooter noch ein wenig herum und ass eine Nudelsuppe zum Frühstück. Um 10 Uhr wurde es so unterträglich heiss, dass ich ins Hotel zurück kehrte, und wartete bis ich einchecken konnte. Nachdem ich dies getan hatte, haute ich mich aufs Ohr. In der Nachmittagshitze gab es sowieso nicht viel anderes zu tun!
image-2016-03-12(2) Tempel von aussen…IMG_6792…und von innen!

Am nächsten Morgen ging ich wieder sehr früh raus. Ich düste einfach los und suchte abgelegene Tempel auf. Unterwegs zu den Tempeln ging dann schon die Sonne auf, was bedeutete, dass ich etwa drei Stunden zur Verfügung hatte, bis es wieder zu heiss wurde. Ich fuhr über abgelegene Pfade, was mit dem Elektroroller gar nicht so einfach war: Oft blieb ich im Sand stecken!
IMG_6800Sonnenaufgang über den Tempeln BagansIMG_6812 Auf solchen Strassen fährt man mit den Elektrorollernimage-2016-03-12(1) TempelkomplexIMG_6809Einsamer Tempel in Bagan

Am letzten Tag in Bagan habe ich ausgeschlafen. Am Abend, als es wieder etwas kühler wurde, ging ich auf den Aussichtsturm, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Leider war die Sonne kaum zu sehen, da die Luft zu dieser Jahreszeit sehr schlecht ist (Staub & Rauch). Die Aussicht war trotzdem schön!
image-2016-03-12(3)Aussicht über Bagan
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Sonnenuntergang